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Es war ein kalter Januarabend in Berlin, aber die 56.325 Zuschauer im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion bekamen ein Spiel zu sehen, das alles andere als frostig war. Der VfB Merseburg entführte beim 3:2 (3:1) gegen Tasmania Berlin nicht nur drei Punkte, sondern auch ein gutes Stück Berliner Stolz - zumindest für diesen 10. Spieltag der 1. Liga Deutschland. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen für die Gastgeber. Schon in den ersten Minuten rollte Angriff auf Angriff auf das Merseburger Tor. Cesc Quaresma prüfte den Torwart gleich mehrfach, Bruno Canalejas drosch den Ball aus 20 Metern, Jan Labant verfehlte per Kopf nur um Haaresbreite. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte Trainer Michael Meister später. "Hat ja auch geklappt - nur halt auf das falsche Tor." Denn während Tasmania die Chancen sammelte wie Panini-Bilder, traf Merseburg eiskalt. In der 19. Minute setzte sich der flinke Marian Iliew auf links durch, bekam den Ball von Javi Gutierre serviert und schlenzte ihn gefühlvoll ins lange Eck - 0:1. Nur vier Minuten später klingelte es erneut: Otto Justesen nutzte eine Unordnung in der Berliner Hintermannschaft, als wäre sie ein Sonderangebot im Schlussverkauf. 0:2 - und die Tasmania-Fans rieben sich verwundert die Augen. Die Defensive der Berliner wirkte nun wie ein Kartenhaus im Wind. Joseba Mascarenhas erhöhte nach einer halben Stunde auf 3:0, wieder nach Vorarbeit von Gutierre, der an diesem Abend mehr Meter machte als so mancher Linienrichter in einer ganzen Saison. "Ich habe nur getan, was der Trainer verlangt hat - laufen, laufen, laufen", grinste Gutierre nach Schlusspfiff. Trainer Dieter Bergmann nickte zufrieden: "Und diesmal sogar in die richtige Richtung." Tasmania Berlin aber wäre nicht Tasmania, wenn sie nicht wenigstens mit Anstand verlieren würden. Noch vor der Pause traf Goran Ilicevic nach schöner Flanke von Canalejas zum 1:3. Ein Lebenszeichen, das das Stadion kurzzeitig wiederbelebt. "Da dachte ich, jetzt drehen wir’s", sagte Ilicevic später. "Aber dann fiel mir ein: Wir sind ja Tasmania." Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Berlin hatte mehr Ballbesitz (52 Prozent), mehr Torschüsse (15 zu 10) - aber Merseburg blieb gefährlicher. Dann kam die 54. Minute, und plötzlich loderte wieder Hoffnung auf. Jermolai Malachow, der mit 33 Jahren immer noch mehr Kilometer läuft als sein Geburtsjahr vermuten lässt, nahm einen Pass von Callum Farnsworth auf und hämmerte den Ball unhaltbar unter die Latte - 2:3! "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Malachow. "Der Ball wollte halt auch mal rein." Danach war es ein Kampf mit offenem Visier - und gelegentlich mit offener Sohle. Vier Gelbe Karten für Merseburg (Karaer, Celis, Gutierre und Veloso) zeugten davon, dass man den knappen Vorsprung um jeden Preis verteidigen wollte. "Wir haben uns reingeworfen", meinte Kapitän Veloso, der sich seine Verwarnung in der 89. Minute abholte, "aber fair natürlich - also meistens." Tasmania versuchte alles, brachte frische Kräfte: den 19-jährigen Ignjac Babic und den ebenso jungen Keeper Fernando Antonio. Doch der späte Druck verpuffte. Statt Ausgleich gab’s in der Nachspielzeit noch die rote Karte für Farnsworth, der nach einem übermotivierten Zweikampf zu früh unter die Dusche musste. "Er wollte den Ball - und hat sich den Spieler gleich mitgenommen", kommentierte Coach Meister trocken. Am Ende blieb es beim 2:3 - ein Ergebnis, das den Spielverlauf auf den Kopf stellte und doch irgendwie gerecht schien. Merseburg nutzte seine Chancen mit chirurgischer Präzision, während Tasmania an der eigenen Effizienz scheiterte. "Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", sagte Bergmann mit einem Augenzwinkern. "Aber wenn’s einer wäre - wir hätten trotzdem gewonnen." Tasmania-Trainer Meister hingegen suchte nach den positiven Aspekten: "Wir haben Moral gezeigt, zwei Tore geschossen und keinen einzigen Konter verschlafen - na gut, fast keinen." Dann zog er sich den Schal über den Kopf und verschwand in die Berliner Januarnacht. Ein denkwürdiger Abend, an dem Merseburg mit kühler Effektivität triumphierte und Tasmania Berlin wieder einmal zeigte, dass Herz allein keine Punkte bringt. Vielleicht hilft’s ja am nächsten Spieltag - oder wenigstens beim Trostbier danach. 14.05.643987 21:14 |
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In einem Jahr hab ich mal 15 Monate durchgespielt.
Franz Beckenbauer