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Torfestival im Paradies: Jena und TuS Hordel trennen sich 3:3

2. Bundesliga | 13. Spieltag | 17.07.26 | Jena - TuS Hordel 3:3

Es war ein lauer Sommerabend in Jena, 27.149 Zuschauer hatten sich im Stadion an der Kernberge eingefunden, und was sie zu sehen bekamen, war kein Fußballspiel, sondern ein emotionales Achterbahnmanöver auf grünem Rasen. Am Ende stand ein 3:3, das so gerecht wie unbefriedigend war - gerecht, weil beide Teams ihre starken Phasen hatten, unbefriedigend, weil man bei Jena das Gefühl hatte, sie hätten das Ding eigentlich schon dreimal gewonnen.

Trainer Martin Wegner stand nach dem Schlusspfiff an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen vergraben, und murmelte: "Wenn du dreimal führst und es trotzdem nicht gewinnst, musst du dich fragen, ob der Fußballgott heute Urlaub hatte." Eine rhetorische Frage - der Fußballgott war da, aber offenbar neutral.

Dabei begann alles nach Maß für die Hausherren. Schon in der 7. Minute zappelte der Ball im Netz: Joan Fortunio, der wendige Rechtsaußen, traf nach Vorlage von Harold Sutphen zum frühen 1:0. Die Fans sangen, die Sonne glühte, und Jena spielte, als würde es ein Trainingsspiel gegen die eigene U19 sein. 53 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse - das Datenblatt liest sich wie ein Bewerbungsschreiben für den Aufstieg. Doch Fußball wird nun mal nicht auf Tabellen, sondern auf Rasen entschieden.

TuS Hordel, von der resoluten Trainerin Ute Finkeldy angeführt, ließ sich davon nicht beeindrucken. "Wir wussten, dass Jena heiß starten würde. Also haben wir erst mal geguckt, wie heiß", grinste Finkeldy später im Interview. Ihre Jungs schauten, hielten dagegen - und legten nach der Pause los wie die Feuerwehr.

In der 51. Minute schlug der 18-jährige Lukas Römer zu, eiskalt nach Flanke von Karsten Runge - 1:1. Der Gästeblock tobte, Hordel schnupperte plötzlich Morgenluft. Doch die Freude währte kurz: Nur fünf Minuten später stellte Jan Alex, der bullige Mittelstürmer der Jenaer, nach feinem Zuspiel von Amaury Nunez den alten Abstand wieder her. 2:1, alles schien wieder in geregelten Bahnen.

Aber dann kam Arnau Ronaldo. Nein, nicht *der* Ronaldo, aber sein Namensvetter aus Katalonien, der in Jena spielt, als hätte er das Dribbeln in Barcelona gelernt. In der 63. Minute traf er nach einem feinen Pass von Sutphen zum 3:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Ronaldo später lachend zu, "aber wenn der Ball ins Tor will, lasse ich ihn."

Das Spiel schien entschieden, doch TuS Hordel dachte nicht daran, sich zu ergeben. Vielleicht lag es an der Jugend, vielleicht am Mut, vielleicht einfach an der Tatsache, dass sie nichts zu verlieren hatten. In der 73. Minute verkürzte David Drulak nach Vorlage von Joshua Klein auf 3:2, und nur vier Minuten später stand das Stadion Kopf - allerdings aus ganz anderen Gründen: Sascha Günther, der linke Mittelfeldspieler, drosch das Leder nach einer Ecke von Meik Heine unter die Latte. 3:3.

Man konnte die Fassungslosigkeit in den Gesichtern der Jenaer Spieler lesen. Trainer Wegner brüllte "Wach bleiben!", als ginge es um Leben und Tod. Doch seine Mannschaft wirkte plötzlich müde, fahrig, vielleicht auch einfach konsterniert.

In der 78. Minute dann der Schockmoment: Harold Sutphen blieb nach einem Zweikampf liegen, musste behandelt und schließlich ausgewechselt werden. Walter Jung kam, sah - und kassierte wenige Minuten später Gelb, sinnbildlich für die aufkommende Hektik.

TuS Hordel verteidigte das Unentschieden mit allem, was Beine hatte. Torhüter Kay Fuhrmann war in den letzten Minuten der Fels in der Brandung, faustete, schrie, dirigierte - und wurde nach dem Abpfiff von seinen Mitspielern fast erdrückt. "Das war Wahnsinn", japste er, "ich hab mehr Bälle gefangen als beim Handballtraining meiner Freundin."

Auch Ute Finkeldy konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Wir sind kein Team der Stars, aber heute waren wir ein Team der Herzen." Auf der anderen Seite wirkte Wegner weniger romantisch: "Das war kein Punktgewinn, das war ein Punktverlust. Wir haben’s verbockt."

Die Statistik stützt ihn: 16 Torschüsse Jenas gegen 7 der Gäste, mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle. Aber am Ende zählte nur, dass der Ball dreimal im eigenen Netz zappelte. Und vielleicht, ganz vielleicht, war das 3:3 am Ende die gerechteste aller Ungerechtigkeiten.

Und so gingen die Zuschauer nach 90 Minuten nach Hause - manche kopfschüttelnd, manche klatschend, alle irgendwie beeindruckt. Dieses Spiel hatte alles: Tempo, Tore, Dramatik - und eine Pointe, die keiner wollte, aber alle akzeptieren mussten.

Jena bleibt damit im Mittelfeld der 2. Bundesliga stecken, Hordel nimmt einen Punkt mit, der sich wie ein Sieg anfühlt. Und irgendwo in den Katakomben summte ein Ordner leise: "Fußball, du schönes, grausames Spiel."

18.07.2026 02:49
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Das ist eine Deprimierung.
Andreas Möller
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