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Torfestival in Bad Kleinen: Pfeifer dreht auf, Osnabrück verzweifelt

Wenn 40.483 Zuschauer an einem Montagabend im Stadion von Bad Kleinen sitzen, dann wollen sie was erleben - und sie bekamen mehr als das. Sie bekamen ein Spektakel, das irgendwo zwischen Slapstick, Genie und purer Willenskraft pendelte. Am Ende stand ein 5:4 für die Hausherren, die sich gegen tapfere Osnabrücker durchsetzten - und das in einem Spiel, das man wohl nur mit "verrückt" überschreiben kann.

Schon nach zwei Minuten ging es los: Marwin Paul, der rechte Flügelflitzer der Gastgeber, brauchte genau einen Torschuss, um den Ball ins Netz zu jagen. Passgeber Jannick Berg - gerade mal 18 - grinste hernach: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber gut, dass Marwin mitgedacht hat." So einfach kann Fußball sein.

Doch Osnabrück, vom unermüdlichen Carsten Baumann an der Seitenlinie dirigiert, ließ sich nicht lange bitten. In der 11. Minute machte Benjamin Heuer den Ausgleich, nach feiner Vorarbeit von Gustav Greiner, der später noch öfter in Erscheinung treten sollte. "Wir haben da kurz vergessen, dass man Heuer nicht schießen lassen sollte", knurrte Bad-Kleinen-Trainer Cw WC nach dem Spiel und schob trocken nach: "Aber sonst war’s okay."

Als Oliver Wilhelm in der 30. Minute das 2:1 für Osnabrück erzielte, sah es kurz so aus, als würde die Offensive der Gäste das Spiel übernehmen. Doch nur drei Minuten später traf Joschua Pfeifer nach Vorlage von Benjamin Boyle zum erneuten Ausgleich. Halbzeitstand: 2:2 - und alle wussten schon da, dass das kein ruhiger Abend mehr werden würde.

Nach der Pause legte Pfeifer richtig los. In der 54. Minute brachte er Bad Kleinen mit 3:2 in Führung, diesmal nach Kopfballvorlage von Routinier Marcel Krebs. Keine zwei Minuten später glich Osnabrück wiederum aus - Gustav Greiner hämmerte den Ball nach Vorlage von Innenverteidiger Meik Hess unter die Latte. 3:3, und das Spiel war endgültig ein wilder Ritt.

Dann kam die 68. Minute. Pfeifer wieder. Nach starkem Pass von Max Adam legte er seinen dritten Treffer nach - ein Hattrick, der ihm das Prädikat "unaufhaltsam" einbrachte. "Ich hab einfach nur geschossen", meinte Pfeifer später mit einem Grinsen. "Wenn du einmal triffst, willst du halt wissen, ob’s Zufall war."

Zwei Minuten später erhöhte Rechtsverteidiger Jannik Wimmer auf 5:3 - und das nach einem Angriff, den wohl selbst der Trainer nicht geplant hatte. "Ich dachte, er will flanken", sagte Frank Thomas, der die Vorlage gab. "Aber dann hat er einfach draufgehalten. Und zack - Tor."

Osnabrück gab sich nicht auf. In der 86. Minute traf der eingewechselte Heinz Lemke nach Pass von Greiner zum 5:4. Mehr war aber nicht drin. Die Gäste rannten an, doch Bad Kleinen brachte die Führung über die Zeit - auch weil Torwart Kurt Hagen in der Schlussphase zweimal glänzend hielt.

Statistisch war das Spiel so eindeutig wie der Spielstand knapp: 20 Torschüsse der Gastgeber gegenüber nur 8 von Osnabrück, dazu knapp 60 Prozent Ballbesitz für Bad Kleinen. Die Mannschaft von Cw WC spielte kontrolliert, fast schon akademisch, während Osnabrück mit langen Bällen und beherztem Einsatz versuchte, das Chaos zu erzwingen.

Es gab auch Schattenseiten: Nachwuchsmann Jannick Berg sah in der 44. Minute Gelb, und Linksverteidiger Olaf Esser musste in der 67. verletzt raus. Bei Osnabrück erwischte es später Torsten Reiter, der humpelnd vom Platz musste.

Trainer WC wurde nach dem Spiel gefragt, ob er sich über die vier Gegentore ärgere. Seine Antwort: "Ich bin eher überrascht, dass’s nicht fünf waren. Aber gut, solange wir eins mehr schießen, passt das." Baumann von Osnabrück hingegen wirkte angefressen: "Wir haben viermal getroffen - auswärts! Normalerweise reicht das für zwei Siege. Heute nicht mal für einen Punkt."

Während die Spieler in der Kabine noch lachten und sich über Joschua Pfeifer den dritten Kaffee einschenkten, summten draußen die Fans. Einer sagte beim Hinausgehen: "Das war besser als Netflix." Und wer wollte ihm da widersprechen?

So bleibt Bad Kleinen nach diesem 5:4 (2:2) nicht nur der Sieger eines irren Spiels, sondern auch der moralische Gewinner eines Abends, der wieder einmal zeigte, warum man den Fußball liebt - weil er schlicht keinen Sinn ergibt, aber verdammt viel Spaß macht.

Und irgendwo in der Nähe des Mittelkreises soll man Joschua Pfeifer noch murmeln gehört haben: "Vielleicht war’s doch kein Zufall."

16.01.644000 09:07
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Ich bin Optimist. Sogar meine Blutgruppe ist positiv.
Toni Polster
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