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Tor-Feuerwerk in Beuel: Merseburg gewinnt 5:4 nach wildem Schlagabtausch

Was für ein Fußballabend in Beuel! 39.251 Zuschauer erlebten am 27. Spieltag der 1. Liga Deutschland ein Torfestival, das an einen lauen Sommerabend in der Kreisklasse erinnerte - nur mit besseren Frisuren und teureren Schuhen. Am Ende jubelte der VfB Merseburg nach einem 5:4-Erfolg über den SV Beuel, doch beide Teams lieferten sich ein Duell, das in Sachen Dramatik kaum zu überbieten war.

Schon in der 12. Minute sorgte Jorge Quaresma für den ersten großen Jubel im Stadion: Nach feinem Zuspiel von Joonas Kallio lupfte der Portugiese den Ball frech über den herausstürzenden Keeper - 1:0 für Beuel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Quaresma später schelmisch, "aber wenn’s reingeht, war’s natürlich Absicht."

Doch die Freude währte kurz. Merseburgs Flügelflitzer Martin Pudil hatte offenbar andere Pläne. Nur sieben Minuten später zimmerte er den Ball nach Vorlage von Michele Romano ins lange Eck - Ausgleich. Und Pudil war noch lange nicht fertig. In der 34. Minute traf er erneut, diesmal nach einer butterweichen Flanke von Albert Van Cortlandt. "Ich dachte, ich probier’s einfach nochmal - vielleicht war’s ja kein Zufall", witzelte Pudil später.

Beuel zeigte sich beeindruckt, aber nicht geschlagen. Wieder war es Quaresma, der in der 38. Minute nach einer Ecke am schnellsten reagierte und den Ball per Kopf über die Linie drückte. Doch kaum hatten die Fans zu Ende gejubelt, klingelte es erneut auf der anderen Seite: Pudil, das Merseburger Ungeheuer, machte in der 42. Minute seinen Hattrick perfekt - 2:3 zur Pause.

"Ich sagte den Jungs in der Kabine, sie sollen einfach weitermachen - notfalls ohne Verteidigung", erzählte SV-Trainer René Kuhl mit einem gequälten Lächeln. Und tatsächlich, Beuel blieb offensiv gefährlich. Die Gastgeber hatten mit 55,9 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüssen mehr vom Spiel, aber Merseburg war gnadenlos effizient.

In der 64. Minute glich Pascal Charpentier für Beuel aus, wunderbar bedient von Kallio, der einen Sahnetag erwischte. Der Finne bereitete gleich drei Tore vor und lief, als hätte er heimlich zwei Lungen. "Ich dachte, wir hätten’s, ehrlich", seufzte Charpentier nach Spielende, "aber dann kam dieser Benett."

Gemeint war Merseburgs Joker Brandon Benett, der in der 70. Minute für den ausgepumpten Pudil kam und das Spiel in der Nachspielzeit endgültig drehte. Doch zunächst durfte Beuel noch einmal hoffen: In der 76. Minute traf Bernt Burger per Direktabnahme zum 4:3. Das Stadion bebte, Bierduschen inklusive.

Dann aber begann das Drama. Beuels Innenverteidiger Cameron Cunningham sah in der 84. Minute Gelb und nur zwei Minuten später Gelb-Rot - eine Szene, die man getrost unter "unnötig wie ein Kaugummi im Haar" verbuchen kann. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", verteidigte sich Cunningham später halbherzig.

In Überzahl drehte Merseburg auf. Benett glich in der 91. Minute eiskalt aus - und als alle schon mit einem wilden 4:4 rechneten, schlug er in der 94. Minute erneut zu. Nach einer Flanke von Marko Dudic rauschte er heran und drückte den Ball über die Linie. 5:4. Trainer Dieter Bergmann sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim ersten Konzert. "Das war kein Spiel für Herzpatienten", japste er nach Abpfiff, "aber meine Jungs haben’s mit Leidenschaft und Chaos gelöst."

Während Merseburg jubelte, saßen die Beueler Spieler erschöpft auf dem Rasen. Torwart Gal Warschawski starrte fassungslos in die Sommernacht. "Fünf Gegentore - und ich hab trotzdem nicht schlecht gehalten", murmelte er ungläubig.

Statistisch war es ein fast ausgeglichenes Spiel: 13:12 Torschüsse, 49,6 zu 50,4 Prozent Zweikampfquote - Fußball als Münzwurf, nur mit mehr Schweiß.

Am Ende bleibt ein Spektakel, das wohl in beiden Städten noch lange Gesprächsthema sein wird. "Das war kein Fußball, das war Rock’n’Roll", meinte ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions. Und irgendwie hatte er recht - nur dass der letzte Akkord diesmal aus Merseburg kam.

Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer 4 Tore zu Hause schießt und trotzdem verliert, sollte sich weniger über Abwehrreihen und mehr über Dramaturgie Gedanken machen.

26.06.2026 00:47
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Andreas Möller
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