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Torfeuerwerk in Hordel: Weimar siegt 4:3 in einem wilden Schlagabtausch

Wenn 26.363 Zuschauer an einem kühlen Märzabend in Bochum-Hordel ins Stadion kommen, darf man wohl von Vorfreude sprechen. Was sie zwischen TuS Hordel und dem SC Weimar dann allerdings zu sehen bekamen, war eher ein wilder Ritt auf dem Vulkan: sieben Tore, zwei gelbe Karten, eine Verletzung und Trainer, die abwechselnd verzweifelten und jubelten. Am Ende jubelten die Gäste - 4:3 hieß es nach 90 turbulenten Minuten für den SC Weimar.

Schon nach elf Minuten bebte der Rasen. Hordels Linksaußen Sascha Günther, sonst eher der Mann für den finalen Pass, zog nach Vorlage von Mittelstürmer Fynn Huber einfach mal ab - und zack, 1:0. "Ich hab eigentlich nur draufgehalten, weil Fynn so laut geschrien hat, ich soll’s machen", grinste Günther später. Die Heimfans feierten, ahnten aber nicht, dass sie noch einiges an Nerven brauchen würden.

Denn Weimar, angetreten mit einer jungen, offensivfreudigen Truppe, ließ sich davon kaum beeindrucken. Der erst 17-jährige Peter Zimmer, blutjung und schüchtern im Interview, zeigte in der 27. Minute keinerlei Scheu: Nach Zuspiel von Linksverteidiger Arne Moll schlenzte er den Ball aus 20 Metern ins lange Eck - 1:1. "Ich hab einfach gemacht, was der Trainer gesagt hat: nicht nachdenken, einfach schießen", sagte Zimmer hinterher, und Trainer Pino Zimmermann (kein Verwandter, aber sichtlich stolz) klopfte ihm auf die Schulter.

Mit diesem Ergebnis ging’s in die Kabine, wo Hordels Trainerin Ute Finkeldy wohl die Worte wählte, die man auch ohne Lippenlesen verstand. Ihr Team kam offensiv wieder, aber die Effizienz blieb aus. Und dann traf Weimar eiskalt: In der 49. Minute vollendete Walter Schreiner eine schöne Kombination über Walther Frank zum 2:1.

Doch Hordel wäre nicht Hordel, wenn sie nicht zurückkommen würden. In der 58. Minute bediente Fynn Huber seinen Sturmpartner Tiago Valente - 2:2. Finkeldy riss die Arme hoch, und man konnte ihr von der Seitenlinie das "Na also!" von den Lippen ablesen.

Nur: Die Freude hielt nicht lange. Weimar legte wieder los, als hätte jemand den Turbo gezündet. In der 71. Minute war es erneut Peter Zimmer, diesmal als Vorlagengeber, der den eingewechselten Luca Schneider mustergültig bediente - 3:2. Schneider, kaum sechs Minuten auf dem Platz, rannte jubelnd in Richtung Gästeblock. "Ich wollte eigentlich gar nicht reinflanken, aber Peter hat so geguckt, da musste ich schießen", lachte er später.

Hordel versuchte alles, Finkeldy brachte in der Schlussminute noch Tim Pfeiffer für den angeschlagenen Huber, der kurz zuvor verletzt vom Platz musste. Und tatsächlich: In der 89. Minute erzielte Tiago Valente nach Vorlage von Routinier Gunborg Brun das 3:3. Das Stadion tobte, der Punkt schien gerettet.

Aber Weimar hatte das letzte Wort. Nur eine Minute später schlug der Ball wieder im Hordeler Netz ein. Der 17-jährige Joker Yanik Vollmer flankte, Schneider stand goldrichtig - 4:3. "Ich hatte noch den Rasen im Schuh, als der Ball reinging", sagte er lächelnd. In Hordel hingegen herrschte fassungsloses Schweigen.

"Das war kein Spiel für schwache Nerven", meinte Trainerin Ute Finkeldy nach dem Abpfiff. "Wir hatten 57 Prozent Ballbesitz, haben mehr gepasst, mehr gemacht - und am Ende trotzdem verloren. Fußball kann grausam sein." Und während sie sprach, humpelte Fynn Huber, der Pechvogel des Abends, mit Eis auf dem Knie in die Kabine.

Weimars Coach Zimmermann sah das naturgemäß anders: "Wir wollten Mut zeigen, und die Jungs haben’s getan. Vier Tore auswärts - das nimmst du überall mit." Mit 16 Torschüssen gegenüber Hordels 10 war Weimar auch statistisch das etwas aktivere Team - und hatte am Ende schlicht den längeren Atem.

Ein Spiel, das niemand so schnell vergisst: jung gegen erfahren, frech gegen diszipliniert, und irgendwo dazwischen ein Schiedsrichter, der vermutlich am liebsten früher Feierabend gemacht hätte.

Vielleicht war es kein taktisches Meisterwerk, aber es war ehrlicher, wilder Fußball. Und als die Lichter ausgingen, meinte ein älterer Fan auf der Tribüne trocken: "Wenn das zweite Liga ist, dann bleib ich lieber hier - spannender wird’s in der ersten auch nicht."

Ein Satz, den man nach so einem 3:4 nur unterschreiben kann.

28.03.643994 22:40
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Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.
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