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Ein nasskalter Januarabend, 33.916 Zuschauer im Rohrbacher Stadion, Flutlicht, Bratwurstduft - und am Ende ein 2:2, das keiner so richtig einordnen konnte. Der SV Rohrbach und Ludwigshafen lieferten sich am 6. Spieltag der 1. Liga Deutschland ein Duell, das zwischen taktischer Feinarbeit und wildem Schlagabtausch pendelte. Trainer Maik Kuntz und Frank Seil standen sich dabei wie zwei Schachspieler gegenüber, deren Figuren allerdings lieber über den Rasen rutschten als strategisch zu denken. Rohrbach legte los, als hätten sie den Kaffee intravenös bekommen. Nach ein paar zaghaften Annäherungen war es in der 17. Minute Georg Lindner, der nach feiner Vorarbeit von Simon Hübner das 1:0 erzielte. Der Linksaußen hatte sich am Strafraumrand freigeschlichen und drosch den Ball mit der Wucht eines verspäteten Neujahrsvorsatzes ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten, weil ich sonst wieder hören muss, dass ich zu viel quer spiele", grinste Lindner nach dem Spiel in Richtung seines Trainers. Doch lange währte die Freude nicht. Ludwigshafen zeigte sich unbeeindruckt und antwortete nur acht Minuten später: Logan Haddington, der erfahrene Mittelfeldmotor, traf nach Zuspiel von Azmi Joffe zum 1:1-Ausgleich. Rohrbachs Keeper Heinz Heise war zwar dran, aber eben nur so halb - genug, um sich anschließend lautstark mit seinem Innenverteidiger über "diese Lücke da hinten" zu streiten. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Verteidiger Gerhard Noack später kleinlaut in der Mixed Zone. Zur Pause waren die Fans zwiegespalten: Rohrbach mit mehr Ballbesitz (57 Prozent) und 15 Torschüssen insgesamt, aber Ludwigshafen mit der besseren Effizienz. Kuntz schien in der Kabine jedenfalls die richtigen Worte gefunden zu haben, denn kurz nach Wiederanpfiff legten die Hausherren erneut vor. In der 58. Minute kam Georg Johansson - der dritte Georg im Team, was man beim Kommentieren besser aufschreibt - über rechts, zog nach innen und versenkte den Ball flach im langen Eck. Vorlagegeber Tom Berndt winkte danach Richtung Tribüne: "Das war einstudiert - jedenfalls fast", sagte er mit einem Augenzwinkern. Doch auch diesmal dauerte die Führung nur fünf Minuten. Ludwigshafens Rechtsverteidiger Oleg Smertin, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, tauchte plötzlich vorne auf und schloss nach Pass von Michel Vandermark zum 2:2 ab. "Ich hab einfach gedacht, ich mach mal was Verrücktes", lachte Smertin später. Manchmal ist Fußball eben simpel. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Rohrbach suchte sein Glück mit offensiven Kontern, Ludwigshafen blieb bei seiner druckvollen Offensive, aber ohne Pressing - laut Statistik immerhin konsequent. In der 81. Minute sah Johansson Gelb, weil er bei einem Freistoß den Ball ein bisschen zu leidenschaftlich wegschlug. Zwei Minuten später revanchierte sich Ludwigshafens Xavi Manuel mit einer späten Gelben - ein taktisches Foul der Sorte "muss man halt machen". Die Schlussminuten boten noch einmal alles: Chancen hüben wie drüben, hektische Auswechslungen (Frank Seil brachte in der 89. Minute den jungen Marco Vogt für den müden Bradley Primes, kurz darauf sogar den 18-jährigen Heinz Schrader), und ein Rohrbacher Kurt Roth, der in der 86. Minute die Latte traf - sinnbildlich für die ganze Partie. Nach dem Schlusspfiff stand es 2:2, und beide Trainer wirkten, als hätten sie gleichzeitig gewonnen und verloren. "Wir hatten das Spiel im Griff, aber dann wieder nicht", fasste Maik Kuntz das Dilemma seiner Mannschaft gewohnt trocken zusammen. Sein Gegenüber Frank Seil konterte: "Ein Punkt auswärts ist okay. Aber wenn mein Rechtsverteidiger der Torschütze ist, müssen wir über die Stürmer reden." Die Statistik erzählte am Ende eine Geschichte vom ausgeglichenen Unentschieden mit leichten Vorteilen für Rohrbach: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, aber zu wenig Zählbares. Ludwigshafen hingegen effizient, robust (Aggressivität laut Taktikdaten: "stark") und mit einer bemerkenswerten Portion Abgezocktheit. So trennten sich zwei Teams, die sich nichts schenkten, aber auch nichts klauten - ein gerechtes 2:2 eben. Die Rohrbacher Fans gingen mit gemischten Gefühlen nach Hause, während die Gäste aus Ludwigshafen den Punkt feierten, als wäre er aus purem Gold. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Schön war’s nicht, aber wenigstens war’s nicht langweilig." Und das, an einem grauen Montagabend im Januar, ist ja auch schon ein Sieg. 17.03.643987 23:58 |
Sprücheklopfer
Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob man dann weitermacht. Aber ich lasse mir da Zeit, ich denke da kurzfristig.
Rudi Völler nach dem 1:5 gegen England