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Es war einer dieser Abende in der 2. Liga, an denen die Flutlichtlampen Romantik versprechen - und am Ende doch Drama liefern. Der TSV München, ambitioniert und offensiv eingestellt, verlor zuhause mit 2:3 gegen den frech aufspielenden TuS Hordel. 16.000 Zuschauer im Münchner Stadion sahen eine Partie, die man wahlweise als Spektakel oder als Chaos bezeichnen konnte. Vielleicht war sie beides. Dabei fing alles so verheißungsvoll an. In der 12. Minute zirkelte Ramon Semedo - Münchens quirliger Flügelflitzer - den Ball nach feinem Zuspiel von Sergio Galan humorlos ins rechte Eck. "Da hab ich gar nicht groß überlegt", grinste Semedo später. "Ich dachte, das wird heute unser Abend." Tja, dachte er. Denn kaum hatten die Münchner fertig gejubelt, tat TuS Hordel das, was Underdogs am liebsten tun: Sie bestraften die Träumerei des Gegners. Erst traf Ernst Kunkel in der 16. Minute nach einem kühlen Konter, eingeleitet von Youngster Marwin Rodriguez, der mit 20 Jahren aussah, als spiele er schon ewig auf diesem Niveau. Zwei Minuten später drehte Marvin Fink das Spiel komplett, erneut nach Vorarbeit von Rodriguez. Drei Angriffe, zwei Tore, ein kollektives Raunen auf den Tribünen. Trainer Toni Breer stand an der Seitenlinie, die Hände tief in der Jackentasche, und murmelte etwas, das wohl nicht für Kinderohren bestimmt war. Später erklärte er: "Wir haben uns von Hordel überrumpeln lassen. Die Jungs dachten wohl, das sei ein Freundschaftsspiel." Zur Pause also 1:2 aus Münchner Sicht - und ein Publikum, das unruhig wurde. "Wir hatten das Spiel eigentlich unter Kontrolle", behauptete Breer trotzig. Die Statistik gab ihm fast recht: 49,7 Prozent Ballbesitz sind kein Zeichen der Dominanz, aber auch kein Offenbarungseid. Nur: Hordel schoss doppelt so oft aufs Tor (18:10). Und wer öfter schießt, trifft eben öfter. Kurz nach Wiederbeginn schien der TSV allerdings zurückzuschlagen. Wieder war es Ramon Semedo, diesmal nach feinem Doppelpass mit Nuno de Freitas in der 49. Minute - 2:2! Die Fans sprangen von den Sitzen, Bierbecher flogen (glücklicherweise nur vor Freude), und das Stadion vibrierte. Doch TuS Hordel wäre nicht TuS Hordel, wenn sie nicht noch eine Antwort parat gehabt hätten. In der 55. Minute stürmte Linksverteidiger Kurt Herbst nach vorne, wie man es von einem Mann seiner Position eigentlich nicht erwartet. Nach Vorlage von - natürlich - Marvin Fink drosch er den Ball humorlos ins Netz. 3:2 für die Gäste, und Herbst lief jubelnd Richtung Eckfahne, als hätte er gerade das Champions-League-Finale entschieden. "Ich dachte, der Kurt spinnt, als er da durchlief", lachte Trainerin Ute Finkeldy später. "Aber wenn er dann trifft, sag ich natürlich nichts mehr." Ihr Team blieb danach taktisch diszipliniert - offensiv, aber mit Konterfokus. München rannte an, Semedo wirbelte weiter, Felipe Minambres und Leopold Zabavnik vergaben gute Chancen. Als Minambres in der 92. Minute nochmal einen satten Schuss abfeuerte, hielt Hordel-Keeper Jacob Montgomery glänzend. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball mich trifft - und er tat’s", scherzte der Torwart nach Abpfiff. Die letzten Minuten waren ein wilder Tanz aus Münchner Verzweiflung und Hordeler Abgeklärtheit. Zwei Gelbe Karten für die Hausherren (Jones und Poe) passten ins Bild: Frust statt Fortune. "Wir müssen cleverer werden", resümierte TSV-Coach Breer. "Fußball ist kein Wunschkonzert." Womit er wohl recht hat - auch wenn seine Mannschaft gestern gleich mehrere Strophen davon anstimmte. Hordels Trainerin Finkeldy hingegen strahlte: "Das war eine reife Leistung. Wir haben gezeigt, dass man in dieser Liga auch mit langen Bällen und Mut gewinnen kann." Und so endete der 13. Spieltag für den TSV München mit der bitteren Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt, und für TuS Hordel mit einem Sieg, der nach Bier und Abenteuer schmeckte. Vielleicht war es kein perfektes Spiel, aber sicher eines, über das noch lange diskutiert wird - zumindest bis zum nächsten Freitagabend, wenn wieder Flutlicht, Hoffnung und ein bisschen Chaos aufeinandertreffen. 09.04.643994 13:42 |
Sprücheklopfer
Schiri, pfeif ab. I mog nimmer.
Paul Breitner nach 30 Minuten in einem Europacupspiel beim Stand von 3:0 gegen die Bayern: