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Es war ein Abend, wie man ihn in Hordel so schnell nicht vergisst. 29.121 Zuschauer drängten sich im altehrwürdigen Stadion, als TuS Hordel am 13. Spieltag der 2. Liga Deutschland den Lüner SV empfing - und sie bekamen alles, was ein ehrlicher Fußballabend braucht: frühe Tore, zittrige Nerven, einen Schiedsrichter mit fragwürdiger Gelbkarte und Trainer, die nach dem Spiel mehr schwitzten als ihre Spieler. Schon nach drei Minuten bebte die Tribüne. Tim Pfeiffer, der ältere der beiden Pfeiffer-Brüder, verwandelte eiskalt nach feinem Zuspiel seines jüngeren Bruders Günther. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Vielleicht war’s Glück, vielleicht war’s Instinkt - oder beides", grinste Tim nach dem Spiel und nahm dabei einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche, die eher nach Weizen aussah. Lünen wirkte kurz geschockt, kam dann aber besser in die Partie. Trainer Markus Hering gestikulierte wild an der Seitenlinie, während seine Mannschaft den Ballbesitz minimal auf ihre Seite zog (51 Prozent, um genau zu sein). Doch trotz 15 Torschüssen blieb es zur Pause beim 0:1. "Wir haben viel gemacht, aber nichts draus gemacht", knurrte Hering später. TuS-Coach Ute Finkeldy hingegen blieb stoisch. "Wir spielen offensiv, aber nicht naiv", sagte sie in der Halbzeitpause zu einem Reporter - und lag damit goldrichtig. Ihre Elf blieb ihrer Kontertaktik treu (lange Bälle, hohes Risiko, viel Herz), und das zahlte sich in der 58. Minute aus: Der 36-jährige Routinier Berndt Brand drückte die Kugel aus kurzer Distanz über die Linie, nachdem Rechtsverteidiger Robert Held eine Flanke wie mit dem Lineal serviert hatte. 2:0 - die Zuschauer rotierten zwischen Bier und Begeisterung. Doch wer dachte, Lünen würde sich ergeben, irrte gewaltig. Kaum zwei Minuten später klingelte es wieder - diesmal auf der falschen Seite: Günther Pfeiffer, gerade noch Vorlagengeber, schlenzte den Ball nach feiner Kombination über links ins rechte Eck. 3:0 nach 64 Minuten! "Da habe ich kurz überlegt, ob das wirklich passiert", witzelte Finkeldy später. Aber der Lüner SV wäre nicht der Lüner SV, wenn er nicht für Dramatik sorgen würde. Nur eine Minute später verkürzte Evan Poulin nach Vorarbeit von Joaquin Rielo auf 3:1. Die Gäste hatten nun Oberwasser, während auf der Hordeler Bank plötzlich hektisch gerechnet wurde: Wie viele Minuten sind’s noch bis zur 90.? In der 78. Minute dann der Moment, in dem selbst die härtesten Hordel-Fans kurz das Bier absetzten: Rielo traf zum 3:2, diesmal nach einem Freistoß, den Innenverteidiger Tomasz Hajto mustergültig verlängert hatte. Es wurde laut, es wurde wild, und es wurde - typisch Ruhrpott - emotional. "Da denkst du, du hast das Ding im Sack, und dann fangen die wieder an zu rennen, als gäb’s Freibier", keuchte Hordels Keeper Jacob Montgomery nach Abpfiff. Er hatte mit mehreren Paraden in der Schlussphase den Sieg festgehalten - besonders in der 89. Minute, als Agustin Borreguero aus 18 Metern abzog und Montgomerys Handschuhe kurz glühten. Dann noch ein wenig Drama für die Statistik: In der 87. Minute sah Luke Kinsella Gelb, weil er den Ball nach einem Pfiff nicht hergeben wollte. "Ich wollte ihn nur sauber machen", behauptete er lachend, als er vom Platz trottete. Am Ende blieb es beim 3:2 - einem Sieg, der knapper war, als es zwischenzeitlich aussah. Die Hordeler Fans feierten ihre Mannschaft mit Sprechchören, während Trainerin Finkeldy betonte: "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte. Und irgendwie schmecken die im Februar doppelt so gut." Lünens Coach Markus Hering nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn man drei Tore kassiert, muss man halt vier schießen. Wir haben das Memo wohl zu spät gelesen." Die Statistiken sprachen eine fast ausgeglichene Sprache: 13 Torschüsse Hordel, 15 von Lünen, Ballbesitz fast pari, Zweikampfquote leicht zugunsten der Gäste. Doch Fußball wird eben nicht auf Tabellenblättern gewonnen, sondern auf Rasen - und dort hatte Hordel an diesem kalten Freitagabend einfach die heißeren Füße. Ein Spiel mit allem, was dazugehört: Tempo, Tore, Theater - und eine Pfeiffer-Dynastie, die Hordel an die Tabellenspitze schießt. Vielleicht sollte man demnächst das Stadion in "Pfeiffer-Arena" umbenennen. Zumindest bis nächste Woche. 26.10.643990 03:53 |
Sprücheklopfer
Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.
Andreas Möller