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TuS Hordel schießt sich in der zweiten Hälfte in einen Rausch

Manchmal braucht ein Fußballspiel einfach eine Halbzeit Anlaufzeit - und dann bricht der Sturm los. TuS Hordel besiegte am Freitagabend im eigenen Stadion den FC Marzahn mit einem wuchtigen 5:0 (0:0) und ließ dabei 25.134 Zuschauer in Bochum zwischen Erstaunen, Jubel und ungläubigem Kopfschütteln pendeln. Trainerin Ute Finkeldy stand nach Schlusspfiff mit einem Grinsen auf dem Rasen, das man auch vom Stadiondach aus noch sehen konnte. "Ich habe in der Pause nur gesagt: ’Macht’s einfach so, wie ihr’s im Training nie hinkriegt’ - und sie haben’s ernst genommen", lachte sie.

Dabei hatte in der ersten Halbzeit wenig auf ein Torfestival hingedeutet. Hordel war zwar mit offensiver Grundausrichtung gestartet - 53 Prozent Ballbesitz, 21 Torschüsse insgesamt -, aber die Abschlüsse erinnerten eher an ein Schützenfest ohne Zielscheibe. Fjodor Koroljuk prüfte den Marzahner Keeper Vicente Domingos gleich mehrfach, Ernst Kunkel rauschte mit jugendlicher Ungeduld an der Latte vorbei. Marzahn hielt mit zäher Defensivarbeit dagegen, blieb aber harmlos. Ganze drei Schüsse auf das Tor von Kay Fuhrmann - das war’s.

"Wir wollten kompakt stehen und auf Konter lauern", erklärte Gästecoach Frank Henning später mit jenem Gesichtsausdruck, den man sonst nur nach einer Steuerprüfung sieht. "Dass wir dann aber fünf Stück kriegen, ist… suboptimal."

Die zweite Halbzeit begann, als hätte jemand den Stromschalter auf "Rockkonzert" gestellt. In der 51. Minute endlich der Durchbruch: Ernst Kunkel, 22 Jahre jung und mit der Unbekümmertheit eines Studenten am Semesteranfang, vollendete nach Vorlage von Fynn Huber das 1:0. Der Jubel war so laut, dass selbst die Bratwurststände kurz verstummten.

Damit war der Bann gebrochen - und Marzahn im freien Fall. Fjodor Koroljuk, zuvor schon mit Dauerkarte im Strafraum, erhöhte in der 72. Minute auf 2:0, nachdem der erfahrene Gustav Hauser den Ball aus der Abwehr einfach mal "nach vorne geprügelt" hatte, wie er später zugab. Nur eine Minute später durfte der 20-jährige Olav Anders aus der zweiten Reihe abziehen - 3:0. "Ich hab gar nicht richtig gezielt", grinste Anders schüchtern, "aber vielleicht war das genau das Geheimnis."

Marzahn taumelte nun wie ein Boxer in der zwölften Runde. Und Hordel hatte noch Lust. Marvin Fink traf doppelt in der Schlussphase: erst in der 78. Minute nach einer erneuten Vorlage von Hauser, dann in der 81. nach feiner Vorarbeit von Vincent Albinana. Das Publikum skandierte seinen Namen, während Fink mit ausgestreckten Armen in Richtung Fankurve lief. "Ich wollte eigentlich ausgewechselt werden, war platt", gab er später zu, "aber dann liegt der Ball da halt so schön rum."

Ganz ohne Drama ging’s natürlich nicht: Linksverteidiger Klaus Merkel sah in der 55. Minute Gelb - und in der 84. dann Gelb-Rot, nachdem er ein taktisches Foul begangen hatte, das man wohlwollend als "unklug" bezeichnen kann. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch Einsatz bringe", meinte Merkel hinterher mit einem entschuldigenden Grinsen.

Marzahn steckte nie auf, versuchte mit jungen Kräften wie Florian Gruber und Marco Hofmann gegenzuhalten, doch es blieb beim Versuch. Selbst die Einwechslung des 17-jährigen Hofmann konnte das Debakel nicht verhindern. Zum Schluss kassierten auch noch Wolfgang König (85.) und Peter Jacobsen (90.) Gelb - sinnbildlich für einen Abend, an dem der FC Marzahn alles tat, außer gefährlich zu werden.

"Heute hat einfach alles gepasst", fasste Trainerin Finkeldy zusammen. "Wir waren aggressiv, zielstrebig, mutig - und manchmal sogar diszipliniert." Und tatsächlich: Auch wenn Hordel am Ende in Unterzahl spielte, war das Ergebnis nie in Gefahr. 5:0, ein Statement, das in der 2. Liga selten so deutlich ausfällt.

Im Stadion blieb nach Abpfiff nur noch das Raunen zurück. Die Fans sangen, der Platzwart seufzte ("Schon wieder fünfmal Tornetz flicken…"), und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr mit Funzelblick: "So spielt man Fußball, wenn man einfach Spaß dran hat."

Oder, wie es Kapitän Koroljuk trocken formulierte: "Erste Halbzeit Schach, zweite Halbzeit Rock’n’Roll." Und besser lässt sich dieser Abend kaum zusammenfassen.

01.11.643996 21:45
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Ich habe versucht, den Spielern das Gefühl zu geben, dass sie Fehler machen dürfen. Das haben sie bis auf wenige Ausnahmen gut gemacht.
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