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Das Ruhrstadion bebte. 27.422 Zuschauer sahen am Dienstagabend einen TuS Hordel, der sich gegen den TSV Essingen in einen wahren Offensivrausch spielte. 3:1 hieß es am Ende - ein Ergebnis, das fast zu niedrig ausfiel, wenn man bedenkt, wie oft der Ball um die Ohren des bedauernswerten Essinger Keepers Diogo Costa pfiff. Dabei begann der Abend für die Gäste gar nicht schlecht. Schon in der 12. Minute brachte Vitor Gomes den TSV in Führung, nach feinem Zuspiel von Philippe Lorring. Gomes schlenzte den Ball so elegant ins Eck, dass man kurz vergaß, dass Essingen in der 2. Liga normalerweise eher für rustikales Pressing als für filigrane Pinselstriche bekannt ist. "Ich dachte, wir hätten sie kurz geschockt", meinte TSV-Trainer Philipp Wiedmann später mit einem bitteren Lächeln. "Aber dann kam Hordel - und zwar wie ein Presslufthammer." Nur vier Minuten später nämlich klingelte es auf der anderen Seite. Linksverteidiger Karsten Runge, normalerweise für die grobe Defensivarbeit zuständig, donnerte den Ball nach Vorarbeit von Tiago Valente humorlos unter die Latte. Es war der Auftakt zu einer Hordeler Dominanz, die sich durch das ganze Spiel zog. "Ich weiß gar nicht, warum der Karsten da vorne rumturnte", witzelte Trainerin Ute Finkeldy. "Aber solange er trifft, darf er das nächste Mal vielleicht sogar Ecken schießen." In der 27. Minute legte Vincent Albinana nach. Der flinke Spanier vollendete einen sehenswerten Angriff über Olav Anders zum 2:1 - und ließ sich danach zu einem Jubel hinreißen, der irgendwo zwischen Flamenco und Kneipenpolka pendelte. "Ich hab einfach die Musik im Blut", grinste Albinana später. Die Statistik sprach da längst Bände: 18 Torschüsse für Hordel, nur 6 für Essingen, 56 Prozent Ballbesitz - und eine Tacklingquote, die zeigte, dass Hordel nicht nur schön, sondern auch robust spielte. Nach der Pause ging es munter weiter. Tim Pfeiffer, der Stoßstürmer mit der Statur eines Betonmischers, machte in der 48. Minute den Sack fast schon zu. Nach einer butterweichen Flanke von Albinana wuchtete er das Leder per Kopf zum 3:1 ins Netz. "Ich hab ihm gesagt, er soll sie einfach hoch reinbringen", erzählte Pfeiffer. "Wenn ich den Kopf hinhalte, passiert meistens was - entweder ein Tor oder ein Brummschädel." Essingen versuchte danach verzweifelt, den Anschluss zu finden, doch die Offensive wirkte zahnlos. Lennard Weiss und Alejandro Gutierrez blieben blass, und selbst der eingewechselte Charles Neville konnte keine Akzente setzen. Wiedmanns Mannschaft spielte zwar laut Taktikplan offensiv, doch das Pressing blieb, wie schon die ganze Saison, theoretischer Natur. Ohne Druck auf den Ball sah Hordel aus, als würde es ein Trainingsspiel austragen. Ein kleiner Schönheitsfehler trübte den Hordeler Abend: Albinana sah in der 83. Minute Gelb, nachdem er einen Essinger etwas zu leidenschaftlich vom Ball trennen wollte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch defensiv kann", erklärte er anschließend mit einem Augenzwinkern. In den Schlussminuten verwaltete Hordel souverän die Führung. Pfeiffer hätte sogar noch erhöhen können - seine Versuche in der 79. und 93. Minute streiften knapp am Pfosten vorbei. "Da wollte ich zu schön treffen", gab er zu. "Aber gut, man kann ja nicht immer den Torwart anschießen." Ute Finkeldy war nach dem Spiel voll des Lobes: "Wir haben mutig, direkt und mit Herz gespielt. So will ich meine Mannschaft sehen. Und Tim hat heute endlich mal das gemacht, was ich ihm seit Wochen predige: den Ball nicht streicheln, sondern prügeln." Für Essingen dagegen wird die Luft dünner. Wiedmanns Truppe steht nach dieser Niederlage weiter im unteren Tabellenmittelfeld. "Wir müssen lernen, dass Verteidigen kein freiwilliges Hobby ist", seufzte der Coach. So endete ein Abend, der für die 27.422 Zuschauer deutlich mehr bot als ein normales Zweitligaspiel: Es war Ruhrpott-Charme, kerniger Kampf und ein Hauch von Straßenfußballromantik. Einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum Fußball eigentlich manchmal so kompliziert gemacht wird - wenn es doch so einfach sein kann: Ball, Tor, Jubel, Bratwurst. Und irgendwo auf der Tribüne soll einer gerufen haben: "Wenn Hordel so weitermacht, kaufen die bald den BVB auf!" - Ein Scherz natürlich. Aber nach diesem 3:1 hätte man es ihnen fast zugetraut. 25.05.644003 20:20 |
Sprücheklopfer
Ich muß von jedem Spieler in Europa wissen, was für ein Duftwasser er benutzt.
Otto Rehhagel