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TuS Hordel verspielt Führung - Steuden dreht das Spiel in wildem Zweitliga-Abend

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob die Halbzeitpause nicht besser gestrichen werden sollte - zumindest aus Sicht von TuS Hordel. Vor 25.042 Zuschauern im Bochumer Stadtteilstadion führte das Team von Trainerin Ute Finkeldy zur Pause mit 2:1, spielte munter nach vorn, jubelte, grinste - und verlor am Ende doch 2:3 gegen einen SV Steuden, der in der zweiten Hälfte plötzlich so zielstrebig auftrat, als hätte ihm jemand den Kaffee intravenös verabreicht.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Gastgeber. Schon in der 10. Minute klingelte es im Kasten von Steuden: Vincent Albinana nahm rechtsaußen einen butterweichen Pass von Curt Schöne auf, legte sich den Ball einmal vor und drosch ihn ins lange Eck. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball nicht auf der Tribüne landet", grinste Albinana später. Die Fans auf eben dieser Tribüne jubelten ausgelassen - sie ahnten ja nicht, dass sie später noch deutlich leiser werden würden.

Doch die Freude währte nur elf Minuten. Der junge Esteve, der rechte Flügelblitz der Gäste, kombinierte sich nach Pass von Nebojsa Denic durch die Hordeler Abwehr und schob eiskalt an Keeper Jacob Montgomery vorbei zum 1:1. "Wir wollten über die Flügel kommen, das war der Plan", erklärte Steudens Coach Karli Konter hinterher mit einem seligen Lächeln. "Und wenn mal ein Plan funktioniert - dann darf man sich auch freuen."

Hordel ließ sich davon zunächst nicht beirren. Noch vor der Pause, in der 42. Minute, passte Günther Pfeiffer präzise in den Lauf von Ernst Kunkel, der den Ball trocken in die Maschen setzte. 2:1 - die Hordeler Offensive spielte offensiv, wie es im Lehrbuch steht. "In der Kabine war richtig Stimmung", verriet Trainerin Finkeldy später. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr so weitermacht, wird das ein schöner Abend." Nun, es wurde ein Abend. Schön war er dann eher für Steuden.

Denn ab der 60. Minute übernahm das Team von Karli Konter die Kontrolle. Mit aggressivem Pressing, starkem Flügelspiel und einer fast schon unverschämten Portion Selbstbewusstsein drängten die Gäste auf den Ausgleich. Hordel verteidigte - aber nicht immer glücklich. Detlev Foerster kassierte in der 53. Minute Gelb, weil er mehr den Gegner als den Ball traf. "Ich hab ihn kaum berührt", beteuerte er nach dem Spiel. "Ja, und ich bin die Queen von England", murmelte sein Torwart Montgomery mit einem Grinsen daneben.

Dann kam die 71. Minute: Eugenio Villa, der bullige Mittelstürmer der Gäste, stand plötzlich frei vor dem Tor, nachdem Berndt Steffens den Ball durch die Schnittstelle steckte. Villa ließ sich nicht zweimal bitten - 2:2. Das Stadion verstummte. Und als nur vier Minuten später der rechte Verteidiger Matthias Kraft (!) den Ball nach feiner Vorarbeit von Denic aus 20 Metern ins Netz hämmerte, war die Partie endgültig gedreht. 2:3 - ausgerechnet ein Abwehrspieler sorgte für den Siegtreffer.

"Ich dachte erst, der Kraft will flanken", scherzte Steudens Keeper Felix Carlsson später. "Aber als der Ball drin war, hab ich einfach so getan, als wär’s Absicht gewesen." Trainer Konter lobte seine Mannschaft: "Wir haben nie aufgegeben. Und dass der Matthias da so einen raushaut - das sind die Geschichten, die der Fußball schreibt."

Hordel versuchte danach mit langen Bällen und vollem Pressing (die Taktikanalyse bestätigte später: Pressing "YES" in der Schlussphase) noch einmal alles, doch außer einem harmlosen Schuss von Kunkel in der Nachspielzeit kam nichts Zählbares mehr heraus.

Am Ende sprechen auch die Zahlen eine deutliche Sprache: Steuden mit 10 Torschüssen, Hordel nur mit 6. Ballbesitz? 50,1 zu 49,8 Prozent - also praktisch ausgeglichen, aber wer das Spiel sah, weiß: Die Gäste hatten in der zweiten Hälfte das Zepter fest in der Hand.

"Wir waren zu brav", fasste Finkeldy nüchtern zusammen. "In der ersten Halbzeit haben wir Fußball gespielt, in der zweiten haben wir zugeschaut."

Während die Hordeler Fans nach dem Schlusspfiff enttäuscht Richtung Ausgang trotteten, tanzten die Steudener Spieler ausgelassen auf dem Rasen. Mateo Esteve, der auffälligste Mann des Abends, rief zu den Journalisten: "Wir sind kein Starensemble, aber wir haben Herz." Und tatsächlich: Dieses Herz schlug am Ende einfach stärker.

Fazit mit Augenzwinkern: TuS Hordel hat gezeigt, dass man mit mutigem Spiel Freude bereiten kann - nur eben nicht immer sich selbst. Steuden dagegen bewies, dass Flügelspiel, Geduld und ein Verteidiger mit Schusslaune manchmal reichen, um einen ganzen Abend umzudrehen. Fußball kann grausam sein - aber an diesem Samstagabend war er vor allem eins: unterhaltsam.

31.05.643993 05:22
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Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
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