Sportexpress
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

TuS Hordel zerlegt den SC Papenburg - ein 0:6 der besonderen Art

Es gibt Fußballabende, die brennen sich ein - nicht in die Ruhmeshalle, sondern tief in die Erinnerung derer, die sie lieber vergessen würden. Der 13. Spieltag der 2. Liga Deutschland bot so einen Abend: 32.721 Zuschauer in Papenburg sahen, wie der TuS Hordel das heimische Team mit 6:0 zerlegte. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne murmelte, "das war eher ein Kunstprojekt über Leiden".

Dabei begann alles harmlos. SC-Trainer Mike Reimann hatte seine junge Truppe - Durchschnittsalter irgendwo zwischen Abitur und Ausbildungsbeginn - auf ein "balanciertes Spiel" eingestellt. TuS Hordel hingegen, unter der Leitung von Ute Finkeldy, wählte die simple Taktik: Angriff ist die beste Verteidigung. Und das zeigte sich schon nach 14 Minuten, als Fjodor Koroljuk, der 33-jährige Sturmveteran, nach feinem Pass von Olav Anders die Kugel zum 0:1 einschob. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Koroljuk später, "aber der Ball wollte heute wohl einfach rein."

Papenburg wollte reagieren, doch kaum war der Anstoß ausgeführt, rollte die grün-weiße Welle wieder. Acht Minuten später erhöhte Tiago Valente nach Vorarbeit - wieder von Olav Anders - auf 0:2. Man konnte fast Mitleid mit Papenburgs Innenverteidigern Timo Schlotterbeck und dem 18-jährigen Vitorino Tonel haben, die aussahen, als hätten sie gerade erfahren, dass Mathe-Abi morgen ist.

In der 29. Minute dann das 0:3: Vincent Albinana, der linke Mittelfeldmotor der Gäste, zog einfach mal ab - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er nach dem Spiel lachend zu. "Aber Tor ist Tor." Kurz vor der Pause machte Karsten Runge mit einem satten Linksschuss das 0:4. Spätestens da war klar: SC Papenburg hatte den Stecker gezogen - oder ihn nie gefunden.

Trainer Reimann reagierte zur Pause mit einem Wechsel: Moritz Rauch kam für Carsten Kessler. "Wir wollten frischen Wind auf rechts", erklärte er. Der Wind blieb allerdings aus, dafür wehte ein Orkan aus Hordel weiter über den Platz. Fjodor Koroljuk legte in der 72. Minute nach - sein zweiter Treffer an diesem Abend. Die Vorlage kam von Albinana, der an diesem Tag alles richtig machte, was es auf einem Fußballplatz richtig zu machen gibt.

Und als alle hofften, der Schiedsrichter möge bald erlösen, setzte Albinana in der 95. Minute den Schlusspunkt - 0:6. Vorlage: Ernst Kunkel. Ein Tor, so spät, dass selbst einige Hordel-Fans schon auf dem Weg zum Parkplatz waren und es nur über Lautsprecher hörten.

Statistisch gesehen war das Spiel sogar "relativ ausgeglichen" - zumindest, wenn man das Wort sehr dehnbar versteht. 46 Prozent Ballbesitz für Papenburg, 54 für Hordel. Doch 24 Torschüsse der Gäste gegenüber vier müden Versuchen der Hausherren sprechen eine deutlichere Sprache.

Drei Gelbe Karten für Papenburg - Schlotterbeck (11.), Rauch (84.), Curinga (86.) - zeigen, dass man zumindest versuchte, sich zu wehren. "Wir wollten Zeichen setzen", sagte der blutjunge Linksverteidiger Dario Curinga, 17 Jahre alt, "aber die haben halt immer weiter gespielt, als wär’s Training."

Ute Finkeldy, die Hordel-Trainerin, blieb sachlich: "Wir haben früh Druck gemacht und sind drangeblieben. Aber ich weiß, wie schwer das für Papenburg war. So junges Team - das braucht Zeit." Ihr Gegenüber Reimann zeigte Galgenhumor: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Erfahrung sammeln. Dass es gleich so viel Erfahrung wird, hätte ich nicht gedacht."

Selbst Keeper Ramon Figo, der trotz sechs Gegentreffern der beste Papenburger war, nahm es mit Fassung: "Ich hab den Ball heute öfter gesehen als meine Familie in den letzten Wochen."

TuS Hordel hingegen feierte ausgelassen. Koroljuk wurde von Mitspielern hochgehoben, Albinana bekam den Ball als Souvenir, und Tiago Valente grinste, als habe er gerade erfahren, dass das Training morgen ausfällt.

So bleibt ein Abend, der für die einen ein rauschendes Fußballfest war - und für die anderen eine harte Lektion in Sachen Realität. 6:0, auswärts, souverän - TuS Hordel schießt sich damit in die Spitzengruppe der Liga. SC Papenburg dagegen? Wird sich die Wunden lecken müssen, bevor es weitergeht.

Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions flüsterte: "Wenn man schon untergeht, dann wenigstens mit Stil. Und sechs Gegentoren."

16.03.644003 13:02
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Sammy geht nach dem Sonnenstand. Die Sonne stand heute morgen für ihn zu tief, um schon aufzustehen.
Ottmar Hitzfeld als Trainer des FC Bayern München über Sammy Kuffour, der nach der Zeitumstellung am Sonntag eine Stunde zu spät zum Training erschien
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager