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TuS Hordel zerlegt Sievershäger SV - Kunkel mit Dreierpack beim 5:0-Galaabend

Ein lauer Frühsommerabend, 26.863 Zuschauer im Stadion, und ein TuS Hordel, der offenbar beschlossen hatte, Fußball zur Kunstform zu erheben. Am 8. Spieltag der 2. Liga Deutschland überrollte die Mannschaft von Trainerin Ute Finkeldy den Sievershäger SV mit einem klaren 5:0 (2:0). Es war ein Spiel, das an manchen Stellen eher nach Tanztheater als nach Abstiegskampf aussah - zumindest für die Gäste, die oft nur die Statistenrolle übernahmen.

Bereits in der 6. Minute begann das Unheil für die Sievershäger: Olav Anders schickte mit einem feinen Pass den pfeilschnellen Ernst Kunkel auf die Reise, der eiskalt vollendete. "Ich hab einfach instinktiv draufgehauen", grinste Kunkel später und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Vielleicht sollte ich das öfter tun." Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem der 24-Jährige fast alles traf, was sich bewegte - und manches, was gar nicht sollte.

Hordel dominierte das Geschehen mit 52 Prozent Ballbesitz und stolzen 16 Torschüssen. Das klang auf dem Papier ausgeglichen, fühlte sich aber an wie eine einseitige Lehrstunde. In der 26. Minute war es erneut Kunkel, diesmal nach Vorarbeit von Vincent Albinana, der das 2:0 markierte. Während die Hordeler Fans feierten, starrte Gäste-Keeper Alexandre Tremblay fassungslos in den Abendhimmel. "Ich hab den Ball gar nicht kommen sehen", murmelte er nach dem Spiel - eine ehrliche, wenn auch wenig tröstliche Analyse.

Sievershagen versuchte, offensiv zu bleiben - laut Taktikdaten sogar durchgehend "offensiv" ausgerichtet. Das sah man allerdings selten. Zwar kamen sie auf sechs Torschüsse, doch die meisten davon erinnerten eher an Rückpässe in die eigene Vergangenheit. Mark Specht und Phillip Baumann testeten Hordels Keeper Jacob Montgomery, der aber kaum ins Schwitzen kam. Einmal winkte er sogar lachend in Richtung der eigenen Bank: "Ich hab mehr Pässe mit der Sonne gespielt als mit dem Ball."

Nach der Pause schien Hordel kurz Luft zu holen, um dann wieder zuzuschlagen. In der 69. Minute komplettierte Kunkel seinen Dreierpack - erneut nach Zuspiel von Anders. Die Kombination lief wie aus dem Lehrbuch, nur dass das Lehrbuch vermutlich von Finkeldy persönlich geschrieben worden war. Die Trainerin blieb dennoch sachlich: "Wir haben gut in die Räume gespielt, aber wir dürfen jetzt nicht abheben."

Abheben wollte allerdings Marwin Rodriguez, der in der 80. Minute mit einem satten Rechtsschuss das 4:0 erzielte. Es war ein Treffer, der die Sievershäger endgültig in die Defensive zwang - und den Hordeler Anhang in kollektive Ekstase versetzte. Rodriguez, der zuvor Gelb gesehen hatte, jubelte trotzdem ausgelassen. "Ich dachte, die Karte war für gutes Aussehen", witzelte er im Interview - und bekam dafür ein Augenrollen von Finkeldy.

Den Schlusspunkt setzte der Routinier Fjodor Koroljuk in der 84. Minute. Nach einem präzisen Pass von Rechtsverteidiger Detlev Foerster schob der 33-Jährige überlegt ein. "Ich hab schon langsam gemacht, damit’s schöner aussieht", scherzte der Oldie. Es war das 5:0, die pure Demütigung für die Gäste - und der Moment, in dem man sich fragte, ob Trainer Foll Fosten überhaupt noch Notizen machte oder längst den Stift weggeworfen hatte.

"Wir waren einfach nicht da", gab Fosten später zu. "Und wenn wir da waren, standen wir im Weg." Ein Satz, der das Spiel treffend zusammenfasste. Seine Mannschaft sammelte immerhin drei Gelbe Karten - vermutlich aus purer Langeweile.

Statistisch gesehen war es keine totale Überlegenheit, aber Hordel spielte mit einer Effizienz, die jedem Datenanalysten Tränen in die Augen treibt: 16 Abschlüsse, 5 Tore. Sievershagen dagegen mit 6 Versuchen und null Ertrag. Die Tackling-Quote von 55 Prozent für Hordel unterstrich, dass sie auch im Zweikampf das Kommando führten.

Nach dem Abpfiff klatschten die Fans noch lange rhythmisch Beifall. Ein älterer Herr auf der Tribüne fasste es zusammen: "Endlich mal wieder Fußball, bei dem man sich nicht schämen muss, das Bier zu verschütten."

Und so ging ein Spiel zu Ende, das für TuS Hordel fast perfekt lief - und für den Sievershäger SV wohl als Lehrfilm dienen wird, wie man’s besser nicht macht. Trainerin Finkeldy verabschiedete sich mit einem trockenen "Schönen Abend noch" von der Presse. Und Ernst Kunkel? Der grinste, hob den Ball des Spiels hoch und meinte nur: "Den leg ich mir unters Kopfkissen. Vielleicht träum ich dann vom vierten."

Ein Traum, der an diesem Abend für alle in Grün und Weiß schon längst Realität war.

18.01.644003 06:58
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