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Es war ein nasskalter Abend in Wangen, der 4. Spieltag der 1. Liga Deutschland, und 37.192 Zuschauer hatten sich eingefunden, um zu sehen, ob der FC 1903 Wangen unter Trainer Ready Play seine Heimserie ausbauen kann. Am Ende stand ein 3:2 gegen den 1. FC Eschborn - ein Ergebnis, das in Zahlen knapp, in Emotionen aber ein Erdbeben war. Schon nach drei Minuten stand die Wanger Arena Kopf. Edward Donahue, der irisch-amerikanische Mittelstürmer mit der Leidenschaft eines Rockgitarristen, traf nach Vorlage von Diego Tonel zum 1:0. "Ich dachte, ich wär noch im Aufwärmen", grinste Donahue später, "aber dann lag der Ball halt schon drin." Für Eschborns Trainer Yas Sin war das ein Schockstart, der ihn sichtlich aus dem Konzept brachte. Auf der Trainerbank raufte er sich die Haare - und das war nicht der letzte Moment, in dem er das tat. Eschborn, offensiv eingestellt wie ein Kamikaze-Pilot, brauchte ein paar Minuten, um zu sich zu kommen. In der 19. Minute war es dann William Kavanagh, der aus spitzem Winkel traf - nach feinem Zuspiel des 18-jährigen Linus Fritsch. Der Teenager hatte zuvor schon einen Sprint hingelegt, der seinem Trainer ein anerkennendes Nicken entlockte. "Der Junge läuft, als hätte er den Bus verpasst", kommentierte Sin später mit einem schiefen Lächeln. Doch Wangen ließ sich nicht beirren. Nur fünf Minuten nach dem Ausgleich schlug erneut Donahue zu - diesmal nach einer butterweichen Flanke von Gawriil Aldonin, dem ruhigen Rechtsverteidiger mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. 2:1, und das Stadion bebte. Die erste Halbzeit war ein Schlagabtausch, bei dem die Taktik auf der Strecke blieb. 53,8 Prozent Ballbesitz für Wangen, 17 Torschüsse insgesamt - das war kein kontrolliertes Spiel, das war ein wildes Tanzduell mit offenen Schnürsenkeln. Nach der Pause gab’s Dramen, wie sie nur der Fußball schreibt. Torwartwechsel beim FC Wangen: Der 19-jährige Cameron Greenwald kam für den erfahrenen Milan Ivanovic. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach den Ball fangen, nicht heiraten", witzelte Trainer Ready Play später. Greenwald machte seine Sache ordentlich, auch wenn ihm bei einem Schuss von Kavanagh in der 56. Minute kurz das Herz stehen blieb. Eschborn drängte, presste - und kassierte. In der 72. Minute zog Diego Tonel von links nach innen, kombinierte sich mit Ryan MacNaughton durch die Abwehr und schlenzte den Ball ins lange Eck. 3:1! Tonel rannte jubelnd Richtung Eckfahne, die Fans sangen, und man hatte das Gefühl, der Winter wäre für ein paar Sekunden vergessen. Doch wer dachte, das Spiel sei entschieden, hatte die Rechnung ohne Kavanagh gemacht. Der bullige Ire - offenbar ein Fan von späten Wendungen - netzte in der 83. Minute erneut ein, diesmal nach Vorlage von Niklas Steffen. 3:2, und plötzlich war wieder Zittern angesagt. Die Schlussphase war nichts für schwache Nerven. Gianluca Trenta sah noch Gelb (85.), weil er meinte, ein Eschborner Trikot sei ein Klettergerüst. Auf der Gegenseite humpelte Tomasz Buchholz nach einem Zweikampf vom Feld, wurde ausgewechselt, und Trainer Sin fluchte herzhaft in Richtung Himmel. "Wir wollten hier was mitnehmen, und am Ende haben wir fast den Physio dagelassen", knurrte Sin nach dem Spiel. Sein Gegenüber Ready Play zeigte sich gelassen: "Wir haben gewonnen, und keiner hat sich ernsthaft verletzt - das ist in dieser Liga schon fast ein Wunder." Die Statistik sprach am Ende leicht für Wangen: 17 zu 11 Torschüsse, 53,8 Prozent Ballbesitz, 51,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Doch die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte war Schweiß, Herzblut und das Gefühl, dass Fußball manchmal mehr mit Chaos zu tun hat als mit Kalkül. Als die Spieler in die Kabinen verschwanden, blieb ein Publikum zurück, das sich die Hände wund klatschte. Die Wanger Fans feierten Donahue, den Doppeltorschützen, als Helden des Abends. Er selbst winkte bescheiden ab: "Ich hab einfach nur meinen Job gemacht. Und wenn der Ball rein will, dann will er halt." Ein Abend, der nach Fußball roch, nach Bier und Adrenalin - und nach dem Gefühl, dass selbst ein 3:2 manchmal größer ist als ein Kantersieg. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn’s immer so spannend ist, brauch ich bald Herztabletten - aber ich komm trotzdem wieder." 22.02.643987 22:40 |
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In der Türkei hängt in jeder Kneipe ein Bild von Atatürk. Hier in Kaiserslautern hängt fast überall Fritz Walter.
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