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2. Bundesliga | 21. Spieltag | 08.10.26 | Weiler im Allgäu - Fortuna Chemnitz 2:1 Anstoß war um 20.30 Uhr, und Weiler begann, als hätte jemand in der Kabine die Pausensirene falsch herum abgespielt. Offensiv, über die Flügel und mit viel Zug zum Tor drängte der Gastgeber früh nach vorn. Schon in der siebten Minute prüfte Kevin Hübner Fortuna-Torwart Corey Ross. Eine Minute später versuchte es Ben Meister, kurz darauf Innenverteidiger Asen Todorow. Weiler hatte offenbar beschlossen, die Abwehrarbeit der Chemnitzer zunächst mit einer ganzen Serie von Schüssen zu begutachten. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir nicht gekommen sind, um höflich guten Abend zu sagen", erklärte Trainer Raiola später. "Manchmal war es vielleicht ein bisschen zu direkt. Aber lieber direkt als langweilig." In der 27. Minute zahlte sich der offensive Ansatz aus. Kevin Hübner setzte sich im Angriff durch und legte für Jürgen Linke auf. Der Rechtsaußen blieb ruhig und schob zur 1:0-Führung ein. Es war der neunte Torschuss der Partie - und der erste, der nicht nur den Torwart, sondern auch das Tornetz ernsthaft beschäftigte. Die Tribüne feierte, während ein Zuschauer in der ersten Reihe seinem Nebenmann zurief: "Jetzt bitte nicht wieder das typische 1:1 kurz vor Schluss!" Ein Wunsch, der im Fußball ungefähr so zuverlässig ist wie ein Wetterbericht im April. Fortuna Chemnitz ließ sich vom Rückstand nicht beeindrucken. Die Gäste hatten mit 55,5 Prozent mehr Ballbesitz und suchten geduldig die Lücken. Daniele Benedetto, Bernardo Galindez und Luke Graves kamen noch vor der Pause zu Möglichkeiten. Weiler verteidigte jedoch aufmerksam und gewann 51,4 Prozent der Zweikämpfe. Filip Bloch sah in der 11. Minute die Gelbe Karte - vermutlich als frühe Erinnerung daran, dass Fußball auch ohne Visitenkartenkontakt auskommt. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Chemnitz den Druck. Ivar Sundström hatte in der 58. Minute zunächst eine gute Gelegenheit, dann schlug er zu: Nach Vorlage von Caio Lomban traf der zentrale Mittelfeldspieler zum 1:1. Plötzlich war die Partie wieder offen, und auf der Weiler Bank dürfte sich mancher bereits gefragt haben, ob die Sitzpolster eigentlich auch für Verlängerungen geeignet sind. Raiola reagierte mit mehreren Wechseln. Carsten Vetter kam für Alex Roy, später ersetzten Bernd Maass und Samuel Erskine ihre Teamkollegen. Weiler blieb seiner Linie treu: offensiv, mit Angriffen über die Außenbahnen und dem festen Plan, nicht in Panik zu verfallen. "Nach dem Ausgleich haben wir kurz Luft geholt", sagte Nick Scherer. "Dann haben wir beschlossen, dass Luft holen heute nicht unser Hauptberuf ist." In der 68. Minute wurde Scherer selbst zum Helden. Dimas Allegri bediente den Mittelfeldspieler, der aus zentraler Position zum 2:1 traf. Fortuna warf danach noch einmal alles nach vorn, kam insgesamt auf sieben Torschüsse und prüfte Weilers Abwehr bis in die Nachspielzeit. Luke Graves versuchte es in der 93. Minute - ohne Erfolg. Weiler verzeichnete am Ende elf Torschüsse, Chemnitz sieben. Der Ballbesitz sprach für die Gäste, das Ergebnis jedoch für die Effizienz der Gastgeber. "Wir hatten den Ball öfter", sagte Fortuna-Trainer Maik Oberländer, "aber Weiler hatte die besseren Antworten. Das ist im Fußball leider immer noch erlaubt." So blieb es beim 2:1. Weiler gewann, Chemnitz durfte über Ballbesitz nachdenken - und die Zuschauer über einen Abend, an dem sogar die Nerven ihren Dienst quittierten. 08.10.2026 23:09 |
Sprücheklopfer
Wer jetzt noch von der Meisterschaft spricht, der muß ein Diplom von der Tanzschule für Traumtänzer kriegen.
Rainer Calmund