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2. Bundesliga | 12. Spieltag | 16.07.26 | FC Sanssouci - Weiler im Allgäu 0:1 Das Tor des Abends fiel bereits in der 33. Minute, und es war fast eine Lehrbuchszene: Nick Scherer, der 28-jährige Mittelfeldstratege der Gäste, nahm einen Abpraller aus gut 20 Metern volley. Der Ball rauschte wie an der Schnur gezogen in den rechten Winkel. Torwart Domenik Olisadebe flog, streckte sich - und sah doch nur, wie die Kugel hinter ihm einschlug. "Ich hab’ ihn kommen sehen, aber da war nichts zu machen", sagte der junge Keeper später und zuckte mit den Schultern. Von da an war klar, wer hier den Ton angab: Weiler. Die Allgäuer ließen Ball und Gegner laufen, 52 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse, und Trainer Mino Raiola kaute an der Seitenlinie demonstrativ auf seinem Kaugummi. "Wir hätten das früher entscheiden müssen", mahnte er nach dem Spiel, diesmal mit einem Lächeln, "aber ich mag ja Spannung - solange wir sie gewinnen." Sanssouci hingegen verteidigte, kämpfte, rackerte. Trainer Tsubasa Ozora, selbst einst ein Offensivkünstler, musste seine Elf tief stehen sehen. "Wir wollten eigentlich mutiger spielen", erklärte er später mit einem Hauch Selbstironie. "Aber wenn du 20 Torschüsse kassierst, bist du froh, dass du nicht 0:5 verlierst." In der 40. Minute griff Schiedsrichterin Jana Wiesner zum ersten Mal in die Tasche: Claude Breze sah Gelb, nachdem er Scherer etwas zu leidenschaftlich den Ball abnehmen wollte. "Ich hab’ nur die Luft getroffen - und ein bisschen ihn", grinste Breze danach. Es war eine Szene, die die Intensität der Partie kurz vor der Pause spiegelte. Nach dem Seitenwechsel versuchte Sanssouci, ein Lebenszeichen zu senden. Doch das kam - sinnbildlich - in der 83. Minute in Form eines einzigen Schusses von Wolfgang Schwab. Der Ball flog, das Stadion hielt den Atem an, und Tom De Bilde im Weiler-Tor machte einen kleinen Schritt nach links. Der Ball segelte genau dorthin. "Ich dachte kurz, das wird der Ausgleich", sagte Schwab, "aber dann fiel mir ein, dass wir heute wohl nicht dran sind." Dazwischen hatte Weiler weiter Chancen im Minutentakt - besonders Jürgen Linke, der rechte Flügelstürmer, prüfte Olisadebe gleich fünfmal zwischen Minute 49 und 85. Der Sanssouci-Keeper wuchs über sich hinaus, fischte, faustete, flog. "Ich hab’ irgendwann aufgehört, mitzuzählen", murmelte er, als er sich nach Abpfiff auf den Rasen sinken ließ. Einen Schreckmoment gab es in der 49. Minute, als Moritz Rauch nach einem Zweikampf verletzt liegen blieb. Er musste ausgewechselt werden, für ihn kam Sascha Link - ein Wechsel, der unfreiwillig für etwas Aufruhr sorgte. Denn Link, gelernter Mittelfeldspieler, musste auf der rechten Abwehrseite improvisieren. "Ich hab’ nur gehofft, dass mich keiner überläuft", sagte er lachend. Weiler wechselte in der 60. Minute gleich dreifach - frisches Blut, jugendlicher Elan. Besonders der 17-jährige Carsten Vetter machte auf sich aufmerksam, als er in der 63., 71., 76. und 93. Minute jeweils aus aussichtsreicher Position abzog. Nur das Glück wollte nicht. "Ich treffe lieber nächste Woche doppelt", meinte der Teenager trocken. Am Ende blieb es beim knappen 0:1. Sanssouci verließ den Platz erschöpft, aber erhobenen Hauptes. Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit Applaus, wohl wissend, dass die Statistik (41 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 47 Prozent Ballbesitz, 1:20 Torschüsse) Bände sprach. "Das war eine reife Leistung unserer Defensive", fasste Trainer Ozora zusammen, "auch wenn man von reif nicht satt wird." Sein Gegenüber Raiola nickte anerkennend: "Sanssouci hat uns das Leben schwer gemacht. Aber wir haben heute gezeigt, dass wir auch hässlich gewinnen können." Vielleicht war es kein Spiel für die Geschichtsbücher - aber eines, das zeigte, dass Fußball auch dann faszinierend sein kann, wenn nur ein Tor fällt und 21 andere Möglichkeiten liegen bleiben. Und wer weiß: Vielleicht erzählt man in Sanssouci eines Tages, dass man gegen Weiler im Allgäu zwar verloren, aber immerhin 89 Minuten lang aufrecht gestanden hat - und das ist, in dieser Liga, manchmal schon ein Sieg. 16.07.2026 21:14 |
Sprücheklopfer
So schnell wie ich heute gelaufen bin, konnte mich keine Kamera einfangen.
Mario Basler