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Es war einer dieser Abende, an denen die Luft im Stadion knistert, als hätte jemand die Spannung mit der Hand aufgezogen. 24.418 Zuschauer drängten sich im Weimarer Stadion, um zu sehen, ob der SC Weimar endlich mal wieder zeigen würde, dass Leidenschaft und Chaos eine explosive Mischung ergeben können. Und sie wurden nicht enttäuscht: Ein 0:2-Pausenrückstand verwandelte sich in ein 3:2 - ein Drehbuch, das selbst Hollywood nicht besser hinbekäme. Doch beginnen wir vorne: Die Gäste aus Borna starteten, als wollten sie das Spiel schon in der ersten halben Stunde entscheiden. Trainer Wer Ninho hatte seine Mannschaft auf Angriff über die Flügel eingestellt - und das sah man. In der 23. Minute rauschte Marwin Weise, eigentlich Linksverteidiger, mutig in den Strafraum und hämmerte den Ball nach einem Eckball von Pedro Chalana ins Netz. Weimar-Keeper Daniel Mohr konnte nur noch hinterherschauen. Vier Minuten später legte Vincent Varela nach - elegant bedient von Nael Pacos, der mit einem Zuckerpass die halbe Weimarer Abwehr alt aussehen ließ. 0:2. Und die Heimfans? Schweigen, nur unterbrochen vom Rascheln der Bratwurstverpackungen. "Ich hab in der Kabine gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil", grinste SC-Coach Pino Zimmermann später. Offenbar hatten seine Spieler das wörtlich genommen. Denn nach der Pause sah man eine völlig andere Mannschaft. Plötzlich stimmten Laufwege, Pässe und - man glaubt es kaum - auch die Torschüsse. Alexander Finnan, gerade einmal 20 Jahre alt und schon mit der Körpersprache eines alten Hasen, eröffnete das Weimarer Comeback in der 49. Minute. Nach feinem Zuspiel von Marcus Brand jagte er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. 1:2, und das Stadion wachte auf. Nur sechs Minuten später war es Yannik Reimann, der nach einem Doppelpass mit Finnan eiskalt vollstreckte. 2:2 - und plötzlich sah Borna aus, als hätte jemand ihnen die Luft abgedreht. "Wir haben aufgehört zu laufen, weil wir dachten, das Ding wäre durch", fluchte Gästetrainer Ninho nach dem Spiel. In der 64. Minute folgte dann der Moment, den die Fans wohl noch lange erzählen werden. Andre Endres, bis dahin unauffälliger Mittelfeldmotor, sah Finnan starten, spielte einen Pass wie aus dem Lehrbuch - und der Youngster lupfte den Ball über den herauseilenden Keeper Michel Moreno. 3:2! Die Tribüne bebte, irgendwo fiel ein Bierbecher in Zeitlupe zu Boden, und Weimar war endgültig im Rausch. Statistisch gesehen war das Spiel ein Paradoxon. Borna hatte 61 Prozent Ballbesitz, spielte sauber, ruhig, fast lehrbuchhaft. Weimar dagegen rannte, kämpfte, stolperte - und traf. 15 Weimarer Torschüsse standen 11 der Gäste gegenüber. Der Kampfgeist gewann gegen die Kontrolle. Oder, wie Kapitän Johannes Schneider nach dem Abpfiff lachte: "Die hatten den Ball, wir hatten Finnan - das reicht manchmal." Finnan selbst, der mit zwei Toren und einer Vorlage zum Mann des Abends avancierte, gab sich bescheiden: "Ich wollte nur zeigen, dass wir nicht tot sind. Und ehrlich gesagt, der zweite Treffer - der war ein bisschen Glück und viel Mut." Auch Trainer Zimmermann war nach dem Schlusspfiff kaum zu bremsen. Auf die Frage, was er seiner Mannschaft in der Pause gesagt habe, antwortete er mit einem Grinsen: "Ich hab ihnen verboten, nach Hause zu gehen, bevor wir mindestens ein Tor schießen." Die Gäste hingegen verließen das Feld mit hängenden Köpfen. Kapitän Chalana schüttelte nur den Kopf: "Wir hatten sie im Griff. Und dann… naja, Fußball." Eine gelbe Karte für Borna - Knut Brandt in der 73. Minute - war das einzige, was an Aggressivität zu Buche stand. Ansonsten blieb das Spiel fair, wenn auch hitzig. Und als der Schlusspfiff ertönte, stand fest: Weimar hatte nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch seine Seele wiedergefunden. Vielleicht war es der Trainer, vielleicht der junge Finnan, vielleicht einfach der Glaube der 24.000 im Stadion - aber dieser Abend wird in Weimar bleiben. In den Geschichten, die man sich an der Stadionwurstbude erzählt, und in dem leisen Lächeln von Pino Zimmermann, der beim Rausgehen murmelte: "Manchmal muss man zweimal untergehen, um einmal richtig zu schwimmen." Und Borna? Die werden sich wünschen, sie hätten das Spiel nach 45 Minuten abgepfiffen. 06.09.643996 16:43 |
Sprücheklopfer
Unbegreiflich, ich habe keinen Spurt von ihm gesehen!
Werner Lorant zu einem Muskelfaserriss seines Spielers Borimirov